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Das Internet ist vielleicht die wichtigste Erfindung des 20. Jahrhundert. Es erlaubt den Menschen Dinge, von denen man vor Jahren nur zu träumen wagte. Zum Beispiel sich mit einem Freund aus Chile gratis zu unterhalten und ihn dabei das erste Lächeln seines Nachwuchs zu zeigen. Das Internet ist für mich die grösste Errungenschaft der Neuzeit, bin ich aber ehrlich mit mir selbst, auch die grösste Zeitverschwendung meines Lebens. Eine Erkenntnis die in ihrer Wahrheit immer dann bestätigt wird, wenn Arbeit an die Tür klopft. Dieses Wochenende wurde die Tür regelrecht eingestürmt. Es galt eine Arbeit von ungefähr 10 Seiten zu schreiben. Keine ganz einfache Sache, müssen doch alle wissenschaftlichen Kriterien erfüllt werden. Samstag und Sonntag wurden ins Schreiben investiert. Letztlich stand eine wissenschaftliche Arbeit von ungefähr 8 Seiten auf den Beinen. Ich versuche mich an einer Analyse der Geschehnisse.
Heute war es wieder einmal soweit. Die Zeitumstellung beschehrte uns eine Stunde mehr Sonntag, eine Stunde mehr Schlaf. Toll! Doch etwa ein halbes Jahr später werden wir eine Stunde früher aus den Kissen gerissen. Ich habe mich noch nie wirklich gefragt, weshalb es dieses Hin und Her überhaupt gibt. Es war halt schon immer so, für mich zumindest. Und was es gibt, seit es mich gibt, wird ja wohl irgendeinen Grund haben. Doch mit zunehmendem Alter nimmt die Anzahl der Dinge, die nun einmal einfach so sind und nicht hinterfragt werden, stetig ab. War ich entsetzt als ich las, dass die Zeitumstellung erst ungefähr um 1980 eingeführt wurde.
1980… das ist gar nicht sooo lange her. Und doch schon eine Ewigkeit, wenn man bedenkt, was sich (vor allem) in der Technik seit damals getan hat. Doch was war der Grund für die Zeitrevolution? Wenn man völlig unvoreingenommen an die Sache rangeht, ist man schnell im Gedanken, dass es irgend einen übergeordneten Grund haben müsse. Irgendetwas geographisches. Irgendetwas, das mit unserem Kalender zusammen hängt. Damit in unserer grossen Zeitrechnung alles aufgeht, hat jedes vierte Jahr einen Tag mehr. Sicher geht auch die Sommerzeit irgendwie in die gleiche Richtung wie der Sinn des Schaltjahres.
Natürlich ist diese Überlegung völliger Schwachsinn. Die Zeitumstellungen heben sich ja schliesslich genau auf. In Wahrheit wurde die Sommerzeit eingeführt, um das Tageslicht länger zu nutzen und so Energie zu sparen. Der erhoffte Nutzen ist jedoch nie eingetreten, wie einige Studien beweisen. So ist es sogar anzunehmen, dass der Energieverbrauch erhöht wurde. Ausserdem führt die Umstellung bewiesenermassen für Mensch und Tier zu Problemen. Der Sinn der Sommerzeit ist also schon längst verloren gegangen. Eine Abschaffung wird es jedoch bestimmt nie geben. Schliesslich haben wir uns daran gewöhnt im Sommer um 21 Uhr noch im Freien in der Abendsonne zu unterhalten.
Es ist halt so und wird immer so bleiben und weil es so ist, hat es bestimmt auch einen guten Grund. Wer sein Leben auf dieser Argumentation aufbaut, hat es wahrlich einfacher. Ich werde mich ab morgen aufregen, warum es denn plötzlich schon dunkel ist, wenn ich die Uni verlasse. Und obwohl ich die Antwort weiss, macht sie die stimmungsbremsende Dämmerung kein Stück besser.
Es ist so eine Sache mit der Zeit. Entweder hat man viel zu viel oder viel zu wenig davon. Entweder fallen fünf Termine auf einmal aus oder man hat noch 1000 Dinge vor sich, die spätestens bis gestern erledigt sein müssen. Wer mit seinen Urteilen zu voreilig umgeht, kriegt gerne zu hören, dass die Welt nicht schwarz-weiss sei. Doch ich frage mich, wo denn die feinen Kontraste zwischen sonntäglichen Stromausfällen und Semesterprüfungen geblieben sind? Die Abstufungen zwischen qualitativen Spieletests und unprofessionellem Gamegedöns. Der Hohlraum zwischen Öl-geilen Kriegs-Cow-Boys und friedliebenden Heilanden.
Alles wird immer extremer. Der Durchschnitt stirbt aus. Wer will denn heute noch durchschnittlich sein, oder langweilig, wie es die Medien ausdrücken würden? Niemand. Und wer will denn noch genau die korrekt berechnete Zeit für seine Aufgaben haben? Dann gäbe es ja gar nichts mehr zu meckern. Wie langweilig, wenn man nicht mehr im Stress wäre. Ok, ich räume ein, dass die Zeit wirklich zu einem immer knapperem Gut wird. Doch schuld daran ist allein der Angebotsüberschuss, der gnadenlos über uns hereinbricht. Bei Millionen von Youtube-Videos, Twitter-Einträgen und Iphone-Apps ist man überfordert. Vor allem mit dem Zeit-Management.
Es ist so eine Sache, die mit der Zeit kommt. Und zwar in extremis. Erfolgreich ist heutzutage nun einmal Lady Gaga oder Tokio Hotel. Normal zu sein ist out und nicht mehr zeitgerecht. Zwischen Fett- und Magersucht hält uns ein immer kleiner werdender Faden zusammen. Extreme bestimmen die Medien und die Mediengesellschaft unser Leben. Es ist halt wie mit der Zeit. Entweder man hat viel zu viel oder viel zu wenig davon.