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Es ist schon witzig wie sich die Trends im Nachmittagsprogramm der privaten Fernsehsender wandeln. Die Zeit der Talkshows ist anscheinend erstmals vorüber. Auch die Richtersendungen sind Schnee von gestern. Im Moment geistert ein ganz neues Format durch die Kanäle und hat sich erstmal bei Pro7 festgebissen. Um 16 Uhr flimmert seit einigen Wochen die neue Sendung “Reality Affairs” über die Bildschirme. Pro7 nennt die Stunde Volksverdummung “Dokunovela”. Also eine Mischung aus Dokumentation und Telenovela. Dass der “Doku”-Teil in ihrer Wortkreation nichts zu suchen hat, wird dem mitdenkenden Zuschauer sofort klar, denn mit Informations-Aufarbeitung oder gar Vermittlung hat das Ganze nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, dem Zuschauer werden Szenen präsentiert, die einzig und allein dadurch auffallen, dass offensichtlich keine richtigen Schauspieler am Werk sind. Eine Fremdschäm-Orgie ohne gleichen.
Der Sinn des neuen Formats bleibt mir vollkommen verborgen. Was der Sender als echt verkaufen will, ist augenscheinlich gestellt und geskriptet und etrinkt förmlich in der Banalität. Mir blieb nur das Kopfschütteln. Es bleibt zu hoffen, dass Reality Affairs nicht besonders erfolgreich ist und nicht eine Welle von “Dokunovelas” mit sich zieht.
Viel amüsanter und subtil niveauvoller ist ein ganz anderes zusammengesetztes Genre namens “Mockumentary”. Heute startet nämlich die neue Staffel von Stromberg. Christoph-Maria Herbst miimt in der 4. Staffel der Erfolgsserie den “Deutschlands fiesesten Chef”. Auf jeden Fall eine der besten Comedy-Sendungen im deutschen Fernsehen. Ich freue mich auf die neue Staffel!
Teilweise frage ich mich schon, was sich die TV-Sender bei ihren marktstrategischen Überlegungen denken. Anscheinend ist ihnen teilweise völlig egal, was da über die Mattscheibe flimmert, solange die Sendezeit gefüllt ist. Bestes Beispiel ist zur Zeit Pro 7. Ok, der Privatsender hat ein wirklich starkes Herbst-Lineup vorgestellt. Ein riesen Blockbuster-Packet wurde für den Filmfan geschnürt. Die Oceans-Reihe, Pans Labyrinth, Tranformers, Casino Royale , Jumper, 300, Spider Men 3 und so weiter. Leider ist wohl das ganze Geld auch dafür draufgegangen.
So stand der Sender plötzlich ideenlos vor einem unausgefüllten Montag. Kein Problem, führen wir einfach die Thrill-Time ein. Zu fürchten gibts bei der Filmauswahl einiges. Von ultra-schlechten Dialogen, über die flachen Storylines bis hin zu den Schauspieler-Leistungen ist alles wortwörtlich zum davon laufen. Die erste Prosieben Produktion habe ich mir angetan. Da für den Film “Fleisch” so viel Eigenwerbung betrieben wurde, gab ich dem ganzen eine Chance. Was soll ich sagen, man sah dem Film die deutsche Produktion einfach an. Ich habe am Schluss erwartet, dass gleich jemand zur Tür hineinkommt und mir einen Orden verleiht, weil ich durchgehalten habe. Oder zumindest dass mich der schwarze Mann holt.
Wer oder was wirklich erfolgreich ist, hat immer ein Problem: den richtigen Zeitpunkt zu treffen um aufzuhören. Dieselbe Problematik stellt sich auch bei Serien. Teilweise habe ich das Gefühl, dass man solange auf die Ideendrüse drückt, bis sie nicht nur leer, sondern auch verendet ist. Bestes Beispiel sind die verzweifelten Hausfrauen. Wobei wahrscheinlich eher die Autoren langsam verzweifeln. Denn wenn nun die neuste, gefühlte 1000te, Staffel über den Bildschirm flackert, stellen sich mir, der über die Jahre hin und wieder reingezappt hat, die folgenden Fragen:
Kann es sein, dass in der Mysteria Lane…
- schon einmal jeder mit jedem zusammen war?
- jeder schon mal jeden überfahren hat?
- man da nur einziehen darf, wenn man entweder psychisch gestört oder 5 Ehen hinter sich hat?
- jeder schon mindestens einmal im Koma lag?
- Frauen grundsätzlich nicht altern?
- jeder schon mindestens 3mal den Job gewechselt hat?
- niemand überhaupt noch weiss, wer, wo, wie und was der andere in den letzten Jahren getrieben hat?
Kurz und bündig, wie übertrieben und ausgelutscht muss Desperate Housewifes noch werden, um endlich ins wohlverdiente Fernseh-Nirvana geschickt zu werden?