Wortakrobaten Teil V

Im fünften und vorerst letzten Teil der Serie bleiben wir nochmals bei den Slammern. Wir schliessen die „erste Staffel“ mit einem Schwergewicht der Poetry-Slam Szene ab. Gemeint ist der diesjährige Gewinner der deutschsprachigen Meisterschaft Sebastian 23. Der Vize-Weltmeister, ja es gibt (auch zu meiner Verwunderung) eine Weltmeisterschaft, schafft es mit jedem neuen Text wiederholt zu begeistern und gleichzeitig eine neue Perspektive seines Schaffens aufzuzeigen. Egal ob er mit Wortkaskaden auf das Publikum feuert oder gekonnt die Gesellschaft analysiert, reimt oder singt, er bleibt stets humorvoll bis in die letzten Silben seines Textes. Der Philosophie-Doktorand ist so erfolgreich, dass er gar die Grenzen des Genres zu sprengen vermochte und immer wieder in Comedy-Sendung oder teilweise auch schon im Mainstream (zB. TV Ttotal) aufgetaucht ist.
Warum Sebastian seinen Namen mit der Zahl 23 verziert hat, weiss wohl nur er selbst. Dafür teilt er uns mit, dass der einzige Unterschied zwischen ihm und Salvador Dali der ist, dass er nun mal ganz anders sei als Salvador Dali. Das grössere Problem sei jedoch, dass sich seine Sätze zwar von selbst verstehen, aber sonst keiner. Trotz des Erfolges bleibt Sebastian 23 auf dem Boden und neigt dazu alles positiv zu sehen. Selbst der Hölle kann er etwas Positives abgewinnen, da müsse er zumindest niemanden nach Feuer fragen. Seine Texte haben aber auch aufklärerischen Charakter. So weiss der Zuhörer nachher zum Beispiel, dass in Eigelb mehr Eiweiss als im Eiweiss enthalten ist, oder dass es das Wort Plural nur im Singular gibt.
Alle Werke des Ausnahmekünstlers sind euch wärmstes ans Herz gelegt. Ausserdem ist Sebastian 23 im Moment auch auf Tour mit seinem ersten Soloprogramm “Gude Laune hier”. Angehängt wie immer eine Auswahl an Videos. Viel Spass!
Online Sein…
Wortakrobaten Teil IV

Nach drei Wochen ist es Zeit für die erste Wortakrobatin im grossen Lyrik Zirkus. Dieses Mal tauchen wir erneut ab zu den Slam-Poeten, respektive Slam-Poetinnen. Eine wunderbare Sprachkünstlerin, die mich vor allem mit ihren Gedichten beeindruckt hat, ist Nadja Schlüter. Im Internet ist fast nichts über die junge Geschichtsstudentin herauszufinden. Sie hat nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag (ja, das gibt’s heute anscheinend noch). Umso wichtiger, dass jemand auf die Dame hinweist, die 2006 bei den deutschsprachigen U20 Poetry-Slam Meisterschaften gewann. Doch wer sich auf ihre Texte einlässt, erfährt genug über sie. Beispielsweise, dass sie keine Waschmaschine besitzt und dass diese Tatsache aufgrund akuter Bedeutungslosigkeit kaum erwähnenswert sei. Oder was sie sich alles merken muss und dass eigentlich doch alles viel zu langsam vorwärts geht. Wer zuhören will, bekommt sogar ein paar Geschichten aus der Schweiz erzählt. Aber spitzt nun selbst die Ohren und hört zu, wie Nadja Schlüter reimt, dichtet und erzählt.
Ihre zwei besten Gedichte gibts gleich hier. Angehängt ein Youtube Video und hier der Verweis auf ein tolles Gedicht auf der Seite des WDR.
Klara putzt und will Lutz sein
Das Mädchen ohne Waschmaschine
Noch nicht genug? Unter read more… gibts mehr!
Wortakrobaten Teil III

Von Slam Poeten über Liedermacher kommen wir heute zu einer bisschen veruchteren Gattung des gesprochenen Wortes. Zum Rap. Meiner Meinung nach sticht im deutschen Rap, wenn es um Wortgewandtheit, genau jemand heraus und zwar Prinz Pi. Früher noch unter dem Namen Prinz Porno das Mikrofon schwingend, ist er nun schon seit längerer Zeit als Pi unterwegs. “Moment mal!”, werden sich nun bestimmt einige denken. “Porno? Ich dachte es ging um Rethorik und nicht um Gangsterrap.” Völlig richtig, denn Pi hat ungefähr soviel mit Gangsterrap zu tun wie Asiaten mit Milchprodukten. Seine Musik ist eine ganz andere Schiene. Sie steht für intelligenten, gesellschafts-kritischen Rap. Verschwörungstheoretiker, Geschichtenerzähler und Rapper in einer Person. Natürlich wird der Berliner nicht jedem gefallen, doch wer grundsätzlich nichts gegen Rap und HipHop hat, sollte unbedingt mal reinhören und bei positiven Befund sind euch alle Alben des Prinzen ans Herz gelegt.
Folgend wie immer einer Auswahl von guten Liedern und Videos. Blickst du in den Zauberspiegel?
Wortakrobaten II

Heute gibts einen neuen Wortakrobaten, dessen Bekanntheitsgrad in keinen Verhältniss zu seinen Fähigkeiten steht. Virtuoser Pianist, guter Sänger und ein unglaublicher Texter sind hier wohl irgendwie bei der Geburt zusammen gewachsen. Anders ist das Ausnahmetalent Bodo Wartke kaum zu erklären. Egal ob seine Texte An-drea, Claudia, Monica oder allgemein seine Freundin gerichtet ist, die mit ihren Kleidern auch ihre Figur wechselt, er bleibt stets wortgewandt und stilsicher bis zum letzten Ton. Der bekennende Apple-Anhänger mit einer Vorliebe zu Liedern, die wie Frauen heissen, äussert aber auch gerne Mal Kritik, besonders wenn es um amerikanische Ex-Präsidenten oder Microsoft geht. So fragt er auch schon mal “Sag mal Bill gates noch?” und wenns nach ihm ginge wäre Microsoft schon längt verapplet. Doch einseitig ist Wartke keinesfalls. Von sinnlichen Liebesliedern, über reisserische, in Lachanfällen endende Texte bis hin zu wahren Wortinfernos in Gedichtform beherrscht er alle Formen der Unterhaltung.
Doch bevor ihr in meinen Superlativen ertrinkt, lassen wir einfach Taten sprechen. Wie immer sind die besten, also hier eine Auswahl der Masse an guten Bodo Wartke Videos, angehängt. Besucht fleissig seine Website und klickt eifrig auf den Einkaufswagen, es lohnt sich!
Mein Lieblingslied von ihm Regen am Liederfestival Songs an einem Sommerabend:
Wortakrobaten Teil I
Heute präsentieren wir euch eine neue Serie, die passenderweise auf den Namen “Wortakrobaten” hört. In den nächsten Wochen werden wir euch jeden Mittwoch einen Künstler und Wortejongleur vorstellen, der oder die möglicherweise noch nicht wirklich bekannt ist. Völlig zu unrecht bei solchen Sprachfertigkeiten. Bei unserer Auswahl versuchen wir natürlich ein möglichst breites Spektrum abzudecken und euch mit einigen Beispiel sein/ihres Schaffen schmackhaft zu machen.

Diese Woche beginnen wir mit einem Vetreter der Poetry Slam Sparte, in der wir, aufgrund der unzähligen Talente, noch öfters kramen müssen. Doch heute geht es um einen Mann, dem das Wort “Poetry” auf den Leib geschneidert wurde. Phillip “Scharri” Scharrenberg ein wahrer Herr des Wortes. Bei ihm fechten die Dichter mit geballter Wortkraft, Philosophen aller Epochen treffen sich zum Mittagesse, Verben wollen nicht mehr Verb sein, rebellieren gegen das System und selbst ein platter Western wird zum lyrischen Kunstwerk. Und nicht zuletzt liefert er uns die Antwort, warum man keinen Tee im Land von Lucky Luke trinkt. Ganz einfach, Tee zieht nicht schnell genug. Scharrenberg schafft es anspruchsvolle Gedichte so humoristisch und unterhaltend zu gestalten, dass es weder langweilig noch unverständlich wird. Ein wahrer Wortkünstler.
Schaut euch seine besten 3 Videos unter “read more” an und überzeugt euch selbst von seinen Fähigkeiten. Wir können euch seine CD (”Und dieses Land heisst Poesie”) nur wärmstens ans Herz legen.